Hanna Strack » Nelly Sachs – die große Lyrikerin

Nelly Sachs – die große Lyrikerin

 

 

„O Stunde der Geburten“.  Das Sprachbild „Geburt“ in Gedichten von Nelly Sachs

 

 

Die Gedichte von Nelly Sachs sind voll von Sprachbildern, Metaphern. Diese muss man kennen, um die Aussagen zu verstehen.

 

Ich habe mich eine Jahre intensiv mit Geburt und vorgeburtlichen Erfahrungen beschäftigt und bin dabei darauf gestoßen, dass für Nelly Sachs dieser Bereich fundamental wichtig war.

 

Warum schreibt sie von Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit, die doch  selbst nie geboren hat?

Weshalb, das will ich hier zeigen.

Es ist die ganze Breite der Erfahrungen. Nelly Sachs schafft neue Worte im Zusammenhang mit Empfängnis, Schwangerschaft ,Geburt und Wochenbett: Fruchtknoten, verschlingende Empfängnis, Geburtenknospe, wir Ungeborenen, Totgeburt, Embryo, Mutterwasser, sternegebärende Nacht, Traumgeburt, Stunde der Geburten, Erstlingsgeschrei, Geburtenhelfer, Geburtenleib, Weltgebärende, kreißende Wöchnerin, Geburtenbüchse, Nabelschnur, Geburts- und Todesmeilen, das Luftgeborene, Wiege, Goldene Amme, schwarze Amme, Seelenamme …

 

Nelly Sachs benennt in einem Brief aus dem Jahr 1966 den Hintergrund ihrer Dichtung:

„... die furchtbaren Ereignisse, die mich selbst an den Rand des Todes und der Verdunkelung gebracht haben, sind meine Lehrmeister gewesen. Hätte ich nicht schreiben können, so hätte ich nicht überlebt. Der Tod war mein Lehrmeister. Wie hätte ich mich mit etwas anderem beschäftigen können, meine Metaphern sind meine Wunden. Nur daraus ist mein Werk zu verstehen.“[1]

Gemeint ist hier sowohl das persönliche Schicksal als auch[2] der Vernichtung ihres Volkes.

 

Und so konnte Hilde Domin in dem Nachwort zur Ausgabe einer Auswahl der Gedichte schreiben: „Nelly Sachs war die große Bestatterin dieser Millionen von Toten, dieser als Leichen noch geschändeten Toten.“ Und weiter: „Ihre Bestattung war zugleich ihre Auferstehung im Wort. Wäre es ein Wort des Hasses gewesen, es hätte niemanden erlöst. Dass es Worte der Liebe waren, das macht sie zu österlichen.“[3] Dennoch lehnte Nelly Sachs es ab, ihre Biografie in den Mittelpunkt zu stellen: „Meine Bücher enthalten alles, was vielleicht der eine oder der andere wissen will über mein Leben …- ich aber will, dass man mich gänzlich ausschaltet.“[4]

 

 

Bleiben wir zunächst bei ihrer Aussage „meine Metaphern sind meine Wunden“. Diese Wunden sind in ihrer Biografie sowohl als einer persönlichen Tragik als auch in ihrem jüdischen Schicksal zu finden.

 

Eine kurze Biografie 

 

Als einziges Kind einer bildungsbürgerlichen jüdischen Unternehmerfamilie wurde Leonie am 10. Dezember 1891 in Berlin geboren.

Die Mutter erzählt dem Kind Märchen und Sagen, der Vater spielt Klavier und das kleine Mädchen tanzt dazu. Sie schreibt später: „Der Tanz war meine Art des Ausdrucks noch vor dem Wort …  erträumte Tanzbewegungen, die frühe Sehnsucht, im Tanz den unsichtbaren Kerker zu durchbrechen.“[5]

 

17jährig verliebt sich Nelly, wie sie genannt wird, in einen älteren Mann. Doch es bleibt eine unerfüllte Liebe. Sie reagiert mit  Essensverweigerung, und schon damals findet sie im Schreiben zum Leben zurück. Das Wort wird ihr zum Sehnsuchtspfeil.[6]

Den Geliebten, einen Widerstandskämpfer, trifft sie bei einem Gestapoverhör 1939 wieder, eine „entsetzliche Verknüpfung“, wie sie es nennt, denn sie muss seine Marter und seinen Tod miterleben. Was letztlich vorgefallen ist und ihr eine Schuld auferlegt, das weiß nur ihre Mutter. Nelly Sachs verliert für fünf Tage ihre Stimme, die zu den Fischen geflohen[7] war.

 

Der Todesgriff der Nationalsozialisten raubt auch ihr, die nach dem Tod des Vaters innig mit der Mutter zusammenlebt, die Luft zum Atmen. Seit 1933 erleidet die Dichterin wie alle Juden die tiefen Demütigungen vom Verlust des Eigentums bis zum Tragen des gelben Sterns.

Sie schreibt: „Ich habe mit meiner geliebten Mutter 8 Jahre unter ständigem Herzklopfen vor der Gestapo in Berlin zugebracht mit täglichen Droh- und Erpresserbriefen. Ich habe einen geliebten Menschen vor meinen Augen zu Tode getroffen zusammenbrechen gesehn.“[8]

 

Im April 1940 hat Nelly Sachs den Einberufungsbefehl zum Arbeitsdienst in der einen, die Ausreisegenehmigung nach Schweden in der anderen Tasche – und bekommt den Rat ausgerechnet eines Gestapomannes, sofort auszureisen.[9]

Dank der Unterstützung durch Selma Lagerlöf, aktiviert durch eine Freundin, und dank der Bürgschaft aus USA können beide mit letzter Gelegenheit nach Stockholm fliehen. Mit ihrer Mutter lebt sie nun in einer sehr kleinen Wohnung in Stockholm. Die Nachrichten vom millionenfachen Morden dringen zu ihr.

 

Nelly Sachs hatte schon zuvor Gedichte geschrieben, die einem romantischen Stil entsprachen.

Jetzt setzt sie noch einmal ganz neu an mit Gedichten, in denen sie ihre ganz persönliche Sprache findet.

 

Johannes R. Becher erreichte 1947, dass im Ostberliner Aufbau-Verlag der Gedichtband In den Wohnungen des Todes erschien, dann Sternverdunkelung 1949 in Amsterdam.

 

Marie Luise Kaschnitz schreibt über diesen Gedichtband:

„Der Eindruck wäre nicht so stark, wenn die Bilder der Nelly Sachs nicht eine außergewöhnliche Kühnheit und Überzeugungskraft besäßen…“[10] Dieser kurze Kommentar ist sehr beeindruckend. Deshalb zitiere ich hier noch einige Sätze: „Die ‚Martermeilen’ zurück zum ‚Segensraum’ der Engel werden in allen Gedichten durchmessen, und die Heilung im geheimen vollzieht sich überall. Die schauerliche Erfahrung dessen, was Menschen einander angetan haben, bleibt dennoch am stärksten haften, vielleicht gerade, weil der Klage mehr als der Anklage Raum gegeben ist und weil die Unterworfenheit auch des Henkers unter die heiligen Mächte überall klar in Erscheinung tritt.“

Der Gedichtband Fahrt ins Staublose[11] erscheint 1961 in Frankfurt.

 

War Nelly Sachs zunächst in Deutschland nicht eigentlich aufgenommen worden, wurde sie nach dem Eichmann-Prozess 1962 gewissermaßen zu einer Heiligenfigur stilisiert.

 

1960 erhält sie in Meersburg den Droste-Preis für Dichterinnen, den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund, 1965 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1966 – sie ist 75 Jahre alt – den Nobelpreis für Literatur.

 

Nelly Sachs musste unter der Last von Verfolgungswahnvorstellungen mehrmals in die psychiatrische Klinik. Sie stirbt am 12. Mai 1971 in Stockholm.

 

Die Gedichte und Prosastücke, die Nelly Sachs im Exil schreibt, haben das eine Thema:

Die Sehnsucht sendet ihre Pfeile aus der Welt der Schuld, des Sterbens, des Todes in die Welt des Lebens und der Liebe. Es ist dieser Übergang aus der schrecklichen, qualvollen Welt in eine Welt des Friedens, in der Menschen atmen können, ein Durchbruch, der immer wieder vollzogen werden muss.

 

Jedes Mal geschieht eine Neugeburt, eine Auferstehung, denn im Akt des Schreibens kann die Dichterin neu geboren werden, kann sie immer wieder neu auferstehen.

 

Es ist atemberaubend, wie Nelly Sachs immer wieder dieses eine Thema neu schreibt, als wäre jedes Gedicht das erste und einzige.

 

Der Philosoph Adorno hatte gesagt, nach Auschwitz sei Lyrik nicht mehr möglich. Es hätte auch keine Tradition gegeben, an die anzuknüpfen möglich gewesen wäre.

Doch Nelly Sachs findet für das Grauen eine Sprache, die ausspricht und verhüllt zugleich. Sie hat nicht nur Gedichte nach Auschwitz sondern über Auschwitz geschrieben. Sie benennt die Kamine der Krematorien der Vernichtungslager und setzt sie nicht als Metaphern ein:

 

 O die Schornsteine

Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes,

Als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch

Durch die Luft - [12]

 

Der Stil ihrer Lyrik weist hin auf die verzweifelte Suche nach dem Leben Rettenden, er ist gekennzeichnet durch Entgrenzung, durch Einbeziehung des Universums, durch eine disharmonische Bildwelt, durch den Drang nach Intensivierung und durch das totale Betroffen-sein.[13] Der Durchbruch vom Tod zum Leben ist jedes Mal eine wirkliche Geburt. Hier hat das Sprachbild mit allen seinen Facetten seinen Ort. Im Gedicht „Wohin o wohin“ sagt sie:

du Weltall der Sehnsucht …

während die Seele zusammengefaltet wartet

auf ihre Neugeburt

unter dem Eis der Todesmaske.[14]

 

 

Nelly Sachs hatte die Werke des Mystikers  Jakob Böhme gelesen, den „Lehrer meiner Jugend“[15] und ihm in der Hauptfigur der szenischen Dichtung Eli, dem Schuster Michael ein Denkmal gesetzt.

Böhme schreibt in seinem ersten Werk „Aurora oder die Morgenröte im Aufgang“: „Wiedergeburt… es läst sich auch mit nichts vergleichen als nur deme, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und vergleichet sich der Auferstehung von den Todten“ (19,12) und: „ … mitten im Tode das Leben geboren wird.“[16]

Hier liegt wohl der Ursprung für die Gleichsetzung von Geburt und Auferstehung bei Nelly Sachs.

 

Sie findet noch im Bild des Schmetterlings eine Metapher aus der Natur: Alles ist im Werden / zwinkert der Schmetterling -[17]

 

Im Folgenden werde ich das Sprachfeld rund um die Geburt entfalten, seine kosmische Dimension aufzeigen und am Beispiel des Gedichtes TÄNZERIN das Gesagte noch einmal zusammenfassen.

 

Geburt – Leben –Tod, das ist die natürliche Abfolge unserer existentiellen Erfahrungen. Nelly Sachs jedoch entwirft mit ihren immer wieder neuen Metaphern, Sprachbildern und mit ungeahnten Verknüpfungen von Worten, oft als Genitivverbindung, die andere, aus der entsetzlichen Erfahrung hervorgegangene Reihenfolge: Tod – Geburt – Leben.

 

Sie schreibt 1947: „So glaube ich auch oder besser, ich fühle es von immer her, wie die Kräfte, die das Leiden gelöst hat, sich im Unendlichen sammeln, um ‚Neues’ zu gebären, dass die Liebe Welten schaffen kann, und so erlebt war mir das Wort vom Sternbild des Blutes.“[18]

 

An einigen der über 60 Gedichte stelle ich nun das Sprachbild „Geburt“ vor.

 

Dabei  wird entgegen den eigenen Worten der Dichterin „Geburt“ nicht als Metapher, als Stilmittel oder Vokabel für einen ganz bestimmten Stellenwert im Gesamtwerk gelesen.[19] Das Sprachbild „Geburt“ ist vielmehr ein Überlebensmittel selbst. Geburt und die verwandten Worte sind Sprachereignisse, performative Sprechakte, die das mit sich bringen, was sie sagen.

Nelly Sachs erlebt das Wort als eine spirituelle Realität. Geburt und Auferstehung geschehen tatsächlich und immer wieder beim Schreiben im Hier und Jetzt. Die Zeitangabe ist der Morgen. „In der Morgendämmerung geschieht das Wieder-geboren-werden, hinein in die eigene spezielle Situation.“[20] So schreibt Birgit Keller-Stocker in ihrer Interpretation des Gedichtes „Jakob“[21]. Sie weist dort auch auf das Stilmittel der Generalisierung hin, die die grammatikalische Anomalie „Alle Geburt“ zeigt. Und weiter: „’G e b u r t’ ist bei Nelly Sachs an sich ein positives Phänomen, an dem sie abliest, dass aus dem Schmerz etwas Neues wird, dass das Weh nicht sinnlos ist.“

Die schreibende Dichterin wird selbst ein Adam, aus dessen Rippe der neue Mensch erschaffen wird:

 

Die Suchende



muss die Welt neu erstellen

ruft den Engel

eine Rippe aus ihrem Körper zu schneiden

bläst sie mit göttlichem Atem ein.[22]

 

Das Geburtsgeschehen hat seinen Ursprung in der Zeugung und in der Empfängnis. Dort kann das dichterische Wort neu beginnen.[23] Doch auch dieser Anfang ist gefährdet: Die Zeugungskraft muss aber erst ihre Sterngeburten buchstabieren.

Das Wort ist die Ermöglichung von Geburt, aus der Empfängnis kommt Gottes erstes Wort:



im Gehölz der Zweige

wo der Wind einsam

den Geburtenhelfer spielt.

Blitzgeöffnet

sät

Buchstaben-Springwurzelwald

in verschlingende Empfängnis

Gottes erstes Wort.[24]

 

Wurzelgrund ist ein Ausdruck romantischer Dichtung für Gottes Herabsteigen.[25]

 

Mit der Befruchtung kann schon die Zukunft beginnen, denn

 

Das Samenkorngeheimnis geworfen

wurzelt schon in der Zukunft

setzt an:

Ein Tanz in den Ardennen

unterirdisches Suchen

nach dem Sicht im Bergkristall

Morgenröte im Nichts über

dem Südmeer

Liebende

halten die Muschel mit dem Konzert

der Tiefsee ans Ohr

Ein Stern öffnet sich zum Eingang

Der Mond hat Besuch gehabt

Der Greis kehrt nicht wieder

Eine Geburt saugt am Leben - [26]

 

Der Embryo hat seine Heimat im Fruchtwasser, das Nelly Sachs Mutterwasser[27] nennt:

Aber im Mutterwasser

saugende Algen umklammern

den füßehebenden Dunkelleib

Fische in Hochzeitskammern

wo Sintflut bettet

reigen besessen

 

Im Mutterleib wächst das Kind heran. Nach einer chassidischen Tradition trägt es ein Licht auf seinem Haupt:

Immer wieder die Fanfare

des Anfangs geblasen

das Sandkorn in Windeseile geprägt

bevor es wieder Licht ward

über der Geburtenknospe

des Embryo?[28]

 

Dieses Licht weist schon hin auf die Auferstehung:

aber über deinem Haupte

der Meeresstern der Gewissheit

mit den Pfeilen der Auferstehung

leuchtet rubinrot -[29]

 

 

Diese vorgeburtliche Zeit ist noch gekennzeichnet von der Unerlöstheit, so ist der leidende Hiob noch  eingewickelt in den Geburtenleib der Sterne.[30]

Wir sind noch die Ungeborenen, im dunklen Mutterleib:

 

Ihr Liebenden,

Ihr Sehnsüchtigen,

Hört, ihr Abschiedskranken:

Wir sind es, die in euren Blicken zu leben beginnen,

In euren Händen, die suchende sind in der blauen Luft –

Wir sind es, die nach Morgen Duftenden.

Schon zieht uns euer Atem ein,

Nimmt uns hinab in euren Schlaf

In die Träume, die unser Erdreich sind

Wo unsere schwarze Amme, die Nacht

uns wachsen lässt,

Bis wir uns spiegeln in euren Augen

Bis wir sprechen in euer Ohr.[31]

 

Doch es ist nie eindeutig, immer droht Gefahr, selbst dort, wo Nahrung und Wärme wäre:

 

Goldene Amme, die du uns nährst

Zu solcher Verzweiflung,

Wende ab o Sonne dein Angesicht

Auf dass auch wir versinken –

Oder lass uns spiegeln eines Kindes jauchzend

Erhobene Finger

Und einer Libelle leichtes Glück

Über dem Brunnenrand. -[32]

 

 

Wir sehnen uns nach der Geburt, umklammern im Mutterwasser saugende Algen[33], warten in Schlafleibern auf den Flammenbiss der Gebärerin[34], aber es ist nichts sicher bei der Geburt, deshalb spielt der Wind einsam den Geburtenhelfer.[35]

Dann aber im Morgengrauen wird, wenn die Wöchnerin kreißend in Qualen gebiert mit der ersten Rippe Adams ein neuer Menschen gebildet. Wieder ist Adam eine Frau.

Mit dem pathetischen Ausruf O Stunde der Geburten beschwört die Dichterin den neuen Menschen in der ersehnten Welt der Liebe.

Das Gedicht ist hier noch einmal vollständig vorgestellt:

 

IM MORGENGRAUEN,

Wenn ein Vogel das Erwachen übt –

Beginnt die Sehnsuchtsstunde allen Staubes

Den der Tod verließ.

 

O Stunde der Geburten,

Kreißend in Qualen, darin sich die erste Rippe

Eines neuen Menschen bildet.

 

Geliebter, die Sehnsucht deines Staubes

Zieht brausend durch mein Herz. [36]

 

Diese Entgrenzung wird fortgeführt in einer anderen Gedichtzeile: Im Schauer der Geburten wird Auferstehung gefeiert.[37]

 

Immer ist auch die Möglichkeit im Blick, dass die Geburt nicht ins Leben führt, sondern in den  scheinbaren Tod der Metamorphose führt: am Baum gehenkte Puppen und Larven der Totgeburten.[38]

 

DA

um die Ecke

und es ist Mitternacht die redet

Bilder gezogen aus schwarzem Gestirn

satanisch Luft musternd

aufgerissene und

am Baum gehenkte Puppen und Larven der Totgeburten

Kaleidoskop der roten Hautwämse

Nachtbehandschuht

Augen nach innen schluckend

Beryll isst das Licht

 

Im Brunnen mit niemand –

                                    verloren –

 

Aber Jakob-Israel, der mit dem Engel ringt,  ist ein zur Seligkeit Entbundener[39].

 

Auch das Kind drängt, geboren zu werden

Abendweites Verbluten

bis die Dunkelheit das Grab gräbt

Embryo des Traumes im Mutterleib

klopft an

Die schöpferische Luft bezieht sich langsam

mit der Haut der Neugeburt

Der Schmerz schreibt sich ein

mit dem Fächer der Gesichte

Leben und Sterben geht weiter –.[40]

 

Das Kind kommt zur Welt und bleibt zunächst durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden. Diese kann schmerzend sein, weil sie die Rückwege des Heimwehs[41] bildet.

 

DAS WIRFT die Nabelschnur

an die Wand des Tempels

vom blutigen Gischt der Geburt .[42]

 

 

Wenn das Neugeborene leben will, muss es an der Brust der Mutter oder an der Brust der Amme saugen. Die Nacht quillt über voll Muttermilch.[43]

Das Kind liegt in der Wiege, die doch eigentlich ein Ort der Geborgenheit sein soll:

O dass nicht Einer Tod meine, wenn er Leben sagt

und nicht Einer Blut, wenn er Wiege spricht – [44].

 

Nelly Sachs, die selbst keine Kinder hatte, verbindet sich mit allen Müttern, wenn sie schreibt:

 

WIR MÜTTER,

die wir in den Wiegen

die dämmernden Erinnerungen

des Schöpfungstages wiegen – 

des Atemzuges Auf und Ab 

ist unseres Liebessanges Melodie.[45]

 

Die Liebenden schaffen den Himmel, sie gebären die Welt des Friedens, denn im Geheimnis des Seufzers kann das ungesungene Lied des Friedens keimen. [46]  

 

Auch der Friede gehört in die Sehnsuchtswelt und durch eine Geburt ermöglicht:

 

Hier ist

Amen zu sagen

diese Krönung der Worte die

ins Verborgene zieht

und

Frieden

du großes Augenlid

das alle Unruhe verschließt

mit deinem himmlischen Wimpernkranz

Du leiseste aller Geburten.[47]

 

In einem Brief schreibt Nelly Sachs: „Die Liebe ist der Sprengstoff der Seele, der gleich Brücken baut.[48]

 

Die Ungeheuerlichkeit des Geschehens von Tod und Sterben und die überlebensnotwendige Geburten-Sprache finden ihren gemäßen Ausdruck in kosmischen Bildern, die der Entgrenzung dienen. Es sind, schreibt Marie Luise Kaschnitz in dem oben zitierten Kommentar, „... alle Erfahrungen von Krieg, Verfolgung und Ausrottung in die Unabwendbarkeit eines kosmischen Geschehens entrückt.“[49]

 

IN MEINER KAMMER

wo mein Bett steht

ein Tisch ein Stuhl

der Küchenherd

kniet das Universum wie überall

um erlöst zu werden

von der Unsichtbarkeit –[50]

 

Nelly Sachs sucht den Ausbruch aus dem Privaten ins Universum. Das Kosmische kann die Ungeheuerlichkeit des Geschehens fassen und Menschen in ihrem Leiden und ihrer Todesbedrohung über sich hinausheben.

 

Der Sternenhimmel ist weder romantische Geborgenheit noch naturwissenschaftliche Unendlichkeit. Für Nelly Sachs ist er ein dynamischer Prozess.[51]

 

Die Sterne versteht sie als Quelle des Lebens.

So ist Jakob-Israel ein Vorkämpfer im kreißenden Fleisch der Gestirne[52], aus dem Dunkel der  Verzweiflung bricht das Neue hervor als sternegebärende Nacht.[53] Die Planeten werden aus den magischen Stoffen des Schmerzes geboren.[54]

 

Die Worte, die aus der Sehnsucht erwachsen, sind es,

die Horizonte

in die wahren Himmel rücken können

und … die Sterne gebären helfen –[55].

 

Die Liebenden  wollen nur noch in Geburt baden, in der von ihnen selbst hervorgetöpferten Sonne:

 

SCHLAF WEBT das Atemnetz

heilige Schrift

aber niemand ist hier lesekundig

außer den Liebenden

die flüchten hinaus

durch die singend kreisenden

Kerker der Nächte

traumgebunden die Gebirge

der Toten

übersteigend

 

um dann nur noch

in Geburt zu baden

ihrer eigenen

hervorgetöpferten Sonne –[56]

 

Die Sterne haben ihr eigenes Feuergesetz / und ihre Fruchtbarkeit / ist das Licht.[57]

 

Sie sehnen sich nach dem Neuen, deshalb haben sie unheimlich durstende Sternenzungen.[58] Dem Pathos der kosmischen Erhabenheit entspricht das Pathos des kreatürlichen Mitleidens.[59]

 

Die Blicke der auseinandergerissenen Liebenden sind  

Die Himmelschaffenden, die Weltgebärenden

 

Und davor heißt es:

Denn der Engel mit den Körben

Für die unsichtbaren Dinge ist gekommen..[60]

 

Hilde Domin erläutert: „Die Dichterin setzt die Gestirne in Gang …, durch das ‚Atem verteilende Wort’ wiederholt sie das ‚es werde’ des Schöpfungsakts. In der denkbar größten Bescheidenheit und Selbstverständlichkeit wird dieser lebengebende, weltenschöpfende Akt vollzogen.“[61]

 

Wie sehr das Schreiben ein Ringen um immer neues Geborenwerden und Lebenkönnen ist, das drückt Nelly Sachs aus in dem Oxymoron, das den Gegensatz Leben und Sterben, Tod und Geburt zusammen spricht:

Leben und Sterben geht weiter.[62] Es sind Zwillinge, von Gott ererbter Zwillingsschmuck. 

 

Dennoch wird die Sehnsuchtswelt kommen, wenn

 

Geburt

alle Jakobsleitern der Todesorgeln hinaufsingt

dann

zündet ein schönes Wettergeleucht

die Zeit an –[63],

 

sodass alles Sterben sich in Gebären verwandeln kann. Erika Schweizer schreibt in ihrem Buch, in dem sie Nelly Sachs mit Simone Weil in Verbindung setzt:

 

„Mit ihren Metaphern erschafft Nelly Sachs fremde Zusammenhänge, reißt Abgründe auf und baut darüber unsichtbare Brücken, die unbegehbar scheinen und dennoch von ihr gewagt sind.“[64]

 

Nelly Sachs ist Prophetin und sie ist Psalmistin.

 

In ihrem Gottesbild ist jedoch nichts Statisches. Denn Wieder ist Gott reisefertig.[65] Und plötzlich kann es passieren: Wortlos gerufen / schifft sich Göttliches ein.[66]

 

Und Nelly Sachs ist eine Gottsucherin. Sie schreibt das selbst in einem Brief: „Aber ich weiss nichts und verstehe immer weniger. Leide und liebe und sehne mich. Zu welcher Religion gehört das? Religion, dieses menschliche Gebäude um einen Glutkern. Um einen Seelenkern.“ [67]

 

Ich will nun das Gedicht TÄNZERIN interpretieren, dem als ganzem in seinen sechs Strophen das Sprachbild „Geburt“ zugrunde liegt.

(Am besten, Sie drucken sich das Gedicht aus, um die Interpretation der einzelnen Strophen besser zu verfolgen!)

 

TÄNZERIN

bräutlich

aus Blindenraum

empfängst du

ferner Schöpfungstage

sprießende Sehnsucht –

 

Mit deines Leibes Musikstraßen

weidest du die Luft ab

Dort

wo der Erdball

neuen Eingang sucht

zur Geburt.

 

Durch

Nachtlava

wie leise sich lösende

Augenlider

blinzelt der Schöpfungsvulkane

Erstlingsgeschrei.

 

Im Gezweige deiner Glieder

bauen die Ahnungen

ihre zwitschernden Nester.

 

Wie eine Melkerin

in der Dämmerung

ziehen deine Fingerspitzen

an den verborgenen Quellen

des Lichtes

bis du durchstochen von der

Marter des Abends

dem Mond deine Augen

zur Nachtwache auslieferst.

 

Tänzerin

kreißende Wöchnerin

du allein

trägst an verborgener Nabelschnur

an deinem Leib

den Gott vererbten Zwillingsschmuck

von Tod und Geburt. [68]

 

Nelly Sachs schrieb dieses Gedicht in den 50er Jahren. Es ist zum ersten Mal veröffentlich in: Flucht und Verwandlung. Sie schrieb es für ihre Freundin aus Kindheitstagen, Dora Howitz, die in Riga verschollen ist.[69]

 

Nelly Sachs ist selbst die Tänzerin. Als kleines Mädchen schon suchte und erfand sie Bewegungen, wenn ihr Vater auf dem Klavier spielte, besonders gerne Stücke von Jean-Philippe Rameau.

 

Den Hintergrund des Gedichtes sind ihre persönliche Tragik, Demütigungen und Schuld, und der millionenfache Tod ihrer jüdischen Brüder und Schwestern.

 

In einem Brief schreibt sie davon in Sprachbildern, die sie auch in diesem Gedicht verwendet:

„Ich glaube an die Durchschmerzung, an die Durchseelung des Staubes als an eine Tätigkeit, wozu wir angetreten. Ich glaube an ein unsichtbares Universum, darin wir unser dunkel Vollbrachtes einzeichnen. Ich spüre die Energie des Lichts, die den Stein in Musik aufbrechen lässt, und ich leide an meinem Leibe, an der furchtbaren Pfeilspitze der Sehnsucht, die uns von Anbeginn zu Tode trifft und die uns stößt, außerhalb zu suchen, dort wo die Unsicherheit zu spülen beginnt.“[70]

 

Das Gedicht hat sechs unterschiedlich lange Strophen. Die Einheit wird gebildet durch die Ansprache des Du und der Geburt als dem Gesamthintergrund dieses Gedichtes

 


  1. Strophe


 

Die Tänzerin ist die Adressatin, sie wird in der ersten und in der letzten Strophe direkt angesprochen: „Du bist bräutlich und du empfängst“ und am Schluss: „Du bist die kreißende Wöchnerin der Zwillinge Tod und Geburt.“

Es ist die Welt des Lebens, die Welt der Liebe und des Friedens, die schon Ziel der Sehnsucht bei der jungen Tänzerin ist. Diese Welt muss neu erschaffen, sie muss geboren werden. Diese Neuschöpfung ist zwar noch in ferner Zukunft. Im Jetzt aber schon sprießt die Sehnsucht nach ihr, und mit dieser Sehnsucht beginnt auch ihr Sein, so wie das Kind mit der Empfängnis beginnt. Die Tänzerin trägt den Samen des ersehnten Lebens schon in sich. Es herrscht aber noch das Dunkel, es ist Nacht wie in einem Blindenraum.

2. Strophe

 

Beim Tanz verbinden sich Leib und Musik in immer neuen Bewegungen. Wie in Psalm 23 der Beter auf rechter Straße geführt wird zur Weide und zum frischen Wasser, so führt der Tanz  auf Straßen, die jedoch nicht auf der Erde begehbar, sondern noch Luftgespinste sind.

Das neue Sein ist kosmisch, es betrifft den ganzen Erdball. Die Sehnsucht ist so groß, dass sie der Weite des Kosmos bedarf, um sich auszudrücken. Paulus nannte es „das Seufzen der Kreatur“ im 8. Kapitel des Römerbriefes. Auch er spricht von der Sehnsucht des Geschaffenen.[71] Es muss ein neuer Eingang gefunden werden. Das Neue muss geboren werden. Es ist die Zeit des Advents, des Wartens derer, die „guter Hoffnung“ sind auf das neue Leben.

 

3. Strophe

Das Kind lebt noch in der Gebärmutter, die als Nacht empfunden wird. Die Nacht ist Ausdruck des Leides und Leidens. Nachtlava erinnert an die zerstörerische Kraft eines Vulkanausbruchs. Unter der Lava erstirbt alles Leben.

Und dennoch: Das ungeborene Kind, der Embryo, blinzelt schon mit seinen Augenlidern. Die Vulkane zerstören nicht nur, sie bringen eruptiv und radikal Neues hervor. Wenn dann das Kind endlich geboren ist, hören wir seinen ersten Schrei. Indem Nelly Sachs dies schreibt und wir dies lesen, ereignet es sich schon. So kann die Dichterin für einen kurzen Augenblick überleben.

 

4. Strophe

Wieder wird die Tänzerin angesprochen, jetzt im Bild des Lebensbaumes, den ihre Glieder abbilden. In seinen Zweigen bauen Vögel ihre Nester. Dort schlüpfen die Jungen aus und zwitschern lebhaft nach Nahrung, eine Parallele zum Erstlingsgeschrei des Menschenkindes. Das alles ist noch nicht Gegenwart, es lebt aber schon in den Ahnungen.

 

5. Strophe

Und wieder ein anderes Bild für diese Zeit der Sehnsucht und der Hoffnung: Noch ist es nicht Tag, aber die Dämmerung bricht an. Alles ist noch fragil, unendlich zerbrechlich. Deshalb ist die Quelle des Lichtes noch verborgen. Wie die Melkerin die Milch aus den Zitzen des Kuheuters mit sparsamem Druck herausschiebt, so sorgfältig soll die Tänzerin-Melkerin das Neue aus der Verborgenheit holen.

Doch die Tänzerin wird schon am Abend vor der Nacht durchstochen von unendlicher Marter. Der Mond ist die einzige Lichtquelle in der Dunkelheit der Trauer. Er hält Wache in der Nacht des Leidens. Damit er weiter leuchten kann, gibt die Tänzerin dem Mond ihr Augenlicht ungeschützt hinein.

 

6. Strophe

 

Jetzt wird sie wieder direkt angesprochen, die Tänzerin. Jetzt wird Nelly Sachs ganz deutlich: Die Tänzerin selbst und nur sie allein, die bräutlich empfangen hat, wird die neue Welt gebären. Sie liegt schon in den Geburtswehen, sie kreißt. Die Nabelschnur des Neugeborenen ist noch nicht sichtbar, sie verbindet das Neue noch mit der Zeit der Nacht im Leib der Frau.

So sind immer Tod und Geburt, Sterben und Geborenwerden miteinander verbunden, sie sind wie Zwillinge.

Ein Gott hat uns Menschen dieses untrennbare Beide mitgegeben, wie Menschen einen Schmuck vererben. Gott ist für Nelly Sachs aber kein Uhrmacher, der einmal die Schöpfung geschaffen hat. Gott ist in Bewegung. Er kann wieder einmal reisefertig sein.[72]

 

Tod und Geburt – das ist nicht die natürliche Reihenfolge, diese hieße Geborenwerden – Leben – Sterben. Im Werk von Nelly Sachs geht es um die Reihenfolge Tod – Geburt – Leben. Deshalb ist das letzte Wort in diesem Gedicht „Geburt“. In vielen Gedichten ist „Auferstehung“ ein Synonym zu Geburt:

 

An unseren Hautgrenzen

tastend die Toten

im Schauer der Geburten

Auferstehung feiernd

 

Wortlos gerufen

schifft sich Göttliches ein.[73]

 

Nelly Sachs konnte mit dem Schreiben dieses Wortes „Geburt“ und seiner nahe liegenden Worte die Kraft von Geburt und Auferstehung in sich immer wieder erfahren, selbst immer wieder geboren werden und so am Leben bleiben. Der tiefere Grund ist ihr Glaube daran, dass Gottes Wort wirkmächtig, schöpferisch ist.


 

Literatur

Die Gedichte werden zitiert aus:

Fahrt ins Staublose. Die Gedichte der Nelly Sachs, Frankfurt 1961 (FS)

Nelly Sachs, Gedichte Frankfurt/M 1977

und wenn nicht anders möglich aus der Sekundärliteratur

Dorothea BOLTE: Art. Sachs, Nelly in: Walther Killy (Hrg.), Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, Gütersloh/München 1991

Ehrhard BAHR: „Meine Metaphern sind meine Wunden“. Nelly Sachs und die Grenzen der poetischen Metapher in: Michael Kessler, Jürgen Wertheimer (Hrsg.) Nelly Sachs: neue Interpretationen, mit Briefen und Erläuterungen der Autorin zu ihren Gedichten im Anhang, Tübingen 1994, S. 3-18

Gabriele FRITSCH-VIVIÈ: Nelly Sachs – mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1993

Paul HOFFMANN: Vom Pathos der Nelly Sachs, in: Michael Kessler, Jürgen Wertheimer (Hrsg.) Nelly Sachs: neue Interpretationen, mit Briefen und Erläuterungen der Autorin zu ihren Gedichten im Anhang, Tübingen 1994, S. 19-34

Hilde DOMIN, in: Nelly Sachs, Gedichte Frankfurt/M 1977 S. 116

Briefe der Nelly Sachs, Hg. von Ruth Dinesen und Helmut Müssener, Frankfurt/M 1984 S. 218

Paul KERSTEN: Die Metaphorik in der Lyrik von Nelly Sachs. Mit einer Wort-Konkordanz und einer Nelly Sachs-Bibliographie, Hamburg 1970

Michael KESSLER, Jürgen WERTHEIMER(Hrsg.): Nelly Sachs: neue Interpretationen, mit Briefen und Erläuterungen der Autorin zu ihren Gedichten im Anhang, Tübingen 1994

Marie Luise KASCHNITZ: Greta Bauer-Schwind „Die Echogesänge“ – Nelly Sachs „Sternverdunkelung“, in.  Gesammelte Werke, Frankfurt/M 1989 Bd. VII S.620

Ursula RUDNIK: Post-Shoa Religious Metaphors: The Image of God in the Poetry of Nelly Sachs, Frankfurt/M 1995

Erika SCHWEIZER: Geistliche Geschwisterschaft. Nelly Sachs und Simone Weil – ein theologischer Diskurs Mainz 2005

[1] Brief an Gisela Dischner vom 12.7.1966, zitiert nach: Erika Schweizer, Geistliche Geschwisterschaft. Nelly Sachs und Simone Weil – ein theologischer Diskurs, Mainz 2005, S. 19

[2]

[3] Nelly Sachs, Gedichte S. 132f

[4] Briefe der Nelly Sachs, Hg. von Ruth Dinesen und Helmut Müssener, Frankfurt/M 1984 S. 218

[5] Zitiert nach Erika Schweizer, Geistliche Geschwisterschaft S. 46

[6] Hier unten aufgestellt FS S. 187: Aber die Sehnsuchtspfeile gespitzt

[7] Zitiert nach Gabriele Fritsch-Vivié, Nelly Sachs, Reinbek 1993, S. 72

[8] Ruth Dinesen, a. a. O. S. 130

[9] Hannah Arendt war schon im August 1933 aus Berlin über Prag nach Paris geflohen. Auch sie konnte entkommen dank eines wohlwollenden Kriminalbeamten.

[10] Marie Luise Kaschnitz, Gesammelte Werke Band VII S.620

[11] Ein späterer Sammelband des Suhrkamp-Verlages 1961heißt ebenfalls so. Nach dieser Ausgabe wird im Folgenden zitiert: FS

[12] O DIE SCHORNSTEINE FS S. 8

[13] Brigit Keller-Stocker: Die Lyrik von Nelly Sachs S. 171ff

[14] WOHIN O wohin, FS S. 140

[15] Lagercrantz, Versuch S. 60, zitiert nach Ursula Rudnik, Post-schoa Religions Metaphors. S.36

[16] Die erste Erleuchtung, In Sämtl. Schriften 265. Sie schreibt an Erik Lindegren, 14. 7. 1963: „Böhme haben sie in den Graben geworfen und bespuckt – so wie sie es mit mir taten (in ihrem Verfolgungswahn) – und da dachte ich: Er hat sich erhoben, ich versuche es. Von seinen Worten weiß ich nichts, als dass sie mich ergriffen und hoben.“ zitiert nach Gabriele Fritsch-Vivié: Nelly Sachs – mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten S. 65

[17] Straßen-Wagen-Füße, aus: Späte Gedichte S. 181, s. a. Magda Motté: „Der Verwandlung sichtbarstes Zeichen“. Die Schmetterlingsmetaphorik im Werk der Nelly Sachs, in: Michael Kessler, Jürgen Wertheimer /Hrsg.) Nelly Sachs, neue Interpretationen, mit Briefen und Erläuterungen der Autorin zu ihren Gedichten im Anhang, Tübingen 1994 S. 179-202

[18] Ruth Dinesen: a. a. O. S. 83f

[19] So Hilde Domin, in: Nelly Sachs, Gedichte Frankfurt/M 1977 S. 116

[20] Birgit Keller-Stocker, Die Lyrik von Nelly Sachs S.13

[21] FS S. 90f

[22] Die Suchende, in: Suche nach Lebenden, Frankfurt/M 1991

[23] Das Leben als ein andauerndes Sich-Verwandeln von Tod zu Geburt erinnert an Hannah Arendts Begriff der Natalität als der Möglichkeit des Neuanfangs.

[24] WIEVIELE HEIMTATLÄNDER

[25] Paul Hoffmann, Vom Pathos der Nelly Sachs, in: Michael Kessler, Nelly Sachs S. 21

[26] Das Samenkorngeheimnis Glühende Rätsel S. 216

[27] HALLELUJA bei der Geburt eines Felsens FS S. 291

[28] ABER VIELLEICHT FS S. 269

[29] INMITTEN FS S. 317

[30] Es ist ein Schwarz wie, aus dem Zyklus „Glühende Rätsel“ Suche nach Lebenden S. 93

[31] CHOR DER UNGEBORENEN FS S. 67

[32] CHOR DER SCHATTEN FS S. 57

[33] HALLELUJA bei der Geburt eines Felsens 291

[34] IN IHREN SCHLAFLEIBERN FS S. 368

[35] WIEVIELE HEIMTLÄNDER Gedichte S. 94

[36] IM MORGENGRAUEN, FS S. 30

[37] SCHON FS S. 316

[38] DA FS S. 374

[39] JAKOB FS S. 90f

[40] Abendweites Verbluten Glühende Rätsel 176

[41] EIN SCHWARZER JOCHANAN FS S. 173

[42] DAS WIRFT die Nabelschnur FS S. 241

[43] Sie reden Schnee, in: Glühende Rätsel S. 178

[44] VÖLKER DER ERDE FS S. 152

[45] WIR MÜTTER FS S. 118f

[46] CHOST DER UNSICHTBAREN DINGE FS S. 62

[47] EINER FS S. 276

[48] Briefe aus der Nacht S. 22 und 12, zitiert nach Erika Schweizer S.426

[49] Marie Luise Kaschnitz, a. a. O. S. 619

[50] IN MEINER KAMMER, in: Glühende Rätsel S. 199

[51] Paul Hoffmann, Vom Pathos der Nelly Sachs S.23

[52] JAKOB FS S. 90f

[53] Alles ist Heil im Geheimnis FS 141f

[54] ZAHLEN FS S. 110

[55] VÖLKER DER ERDE FS S. 152

[56] SCHLAF WEBT das Atemnetz  FS S. 296

[57] EINER FS S. 276

[58] IN WÜSTEN GEHEN, aus: Erika Schweizer, a. a. O. S. 478

[59] Paul Hoffmann, a. a. O. S.24

[60] CHOR DER UNSICHTBAREN DINGE FS S. 62

[61] Hilde Domin, Nachwort S. 128

[62] Abendweites Verbluten, in: Glühende Rätsel S. 176

[63] WENN DER ATEM FS S. 312

[64] Erika Schweizer, a. a. O. S. 32

[65] IM ALTER FS S. 271

[66] SCHON FS S. 316

[67] Briefe aus der Nacht, 22, zitiert nach Erika Schweizer S.426

[68] FS S. 263f

[69] Gedenkbuch der Opfer des Holocaust

[70] Briefe S. 181

[71] Röm 8,19ff

[72] IM ALTER, FS S. 271

[73] SCHON, FS S. 316

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