Hanna Strack » Tanz verbindet Herzen

tanz verbindet herzen – eine ökumenische chance

 

Das ist da Thema, das Manfred Büsing mir angetragen hat.

Ich stehe in Gedanken vor meinem Bücherschrank vor der Abteilung „Liturgie und Gottesdienst“, nehme Tanzbücher heraus: Hilda Maria Lander / Maria- Regina Zohner „Meditatives Tanzen“ – sind die Autorinnen evangelisch oder der katholisch? Marlis Ott „Bewegte Botschaft“ wahrscheinlich reformiert, weil aus der Schweiz, Gabriele Wosien – welche Konfession oder Religion? Ich weiß es nicht, es interessiert mich nicht.

Ich erinnere mich an Schlüsselerlebnisse in der weltweiten Ökumene:

- Ein getanztes Abendmahl mit bayerischen Pfarrerinnen, heilsames Ablegen alles dessen, was mich bedrückte damals, erstaunt war ich, wie der Körper ein eigenes Gedächtnis und eine eigene Sprache hat!

- An den Weltgebetstag 1997 mit einem wunderschönen Tanz aus Korea

- An den Katholikentag Dresden 1994: Ich bot Segenstänze an und überlegte noch, ob ich meinen Beruf, ev. Pfarrerin,  angeben soll – kein Problem!

- An die indische Tempeltänzerin beim Kirchentag 2001 in Frankfurt, als ich Lucy D`Souza den Preis für Gottespoetinnen verlieh

- An einen Gottesdienst in San Francisco in einer religionsübergreifenden Gemeinde, in dem ich Schalom Chaverim im Kanon tanzte – und wie sie alle mitmachten!

- An die Kreisliturgie jedes Jahr am Ostermontag in einer kleinen Kirche hoch überm Schweriner See,  die ich mit dem lebhaften israelischen Al Betach beginne.

- An den ökumenischen Kirchentag letztes Jahr in München: Ich lud ein zu Segnungsfeier für werdende Mütter, in einer katholischen Kirche, zum Schluss tanzten die Großeltern und Geschwisterkinder rund um den Altar, die Pastorin aus Mecklenburg in einer bayerischen katholischen Kirche – kein Problem.

tanz verbindet herzen – eine ökumenische chance

Ist der Tanz eine ökumenische Chance? Nein, er ist mehr, er ist eine ökumenische Wirklichkeit!

Also heißt das Motto jetzt:

tanz verbindet herzen – eine ökumenische Wirklichkeit

Er ist jedoch keine neue Konfession oder Denomination oder gar Religion, sondern er ist wie ein roter Faden, der das Gewebe der Glaubensteppiche durchzieht, eine Spur, eine Polonnaise. Wir können vor unserem inneren Auge diesen Glaubensteppich sehen!

Während die Organisationen von Spannungen wegen der Lehrmeinungen, der Dogmen, der Sakramenten- und Kirchenlehre fast zerrissen werden und um Toleranz und Einheit ringen, käme es uns borniert vor, zu fragen: Tanzt du jetzt katholisch oder evangelisch, israelisch oder buddhistisch?

 

Der Tanz ist auch nicht eurozentrisch. In der Bibel, im Hebräischen, also im Vorderen Orient, gibt es 10 Ausdrücke für Tanzen: springen, hüpfen, schreiten, sich drehen, herumwirbeln, lachen spielen, frohmachen … Warum nur haben wir dies so lange übersehen? Wie konnten wir nur so lange den Körper ausblenden? Die Protestanten noch mehr als die Katholiken!

Der Tanz ist eine Gegenkraft zu Globalisierung und der damit verbundenen Ausbeutung, weil er eine Quelle der Kraft und der Heilung ist, ein Gebet, das Kinder und Alte, Frauen und Männer aller Länder betend vereint. Auch deshalb ist er wie ein roter Faden im Gewebe des Lebens, ein starker Faden, der das Gewebe zusammenhält oder wie das Blut des Lebens, das durch alle Adern fließt.

 

tanz verbindet herzen – eine ökumenische Wirklichkeit

 

Im dicken Programmheft des Kirchentags lesen wir: Mein Herz tanzt – Thema des Abschlussfestes im Frauenzentrum. Das Herz ist ein Organ in allen Menschen und ein Symbol für das pulsierende Leben, Herz steht für Lebendigkeit, für  Wärme und Liebe.

Aber ein anderes Organ hat uns alle zu einem ersten Tanzen schon vor unserer Geburt eingeladen: Wenn unsere Mutter mit uns in ihrem Bauch sich bewegte, dann spürten wir ein Wiegen und Schaukeln, eine tänzerische Bewegung, treppauf und treppab, manchmal in Hektik, oft glücklich beim Spazierengehen. Im Programmheft steht unter „Kunst und Spiritualität“: Tanz ist, wenn Gott dich trägt. Ob die Veranstalterin dabei von ihrer Zeit im Mutterbauch inspiriert war?

Wo war das nur, wo unsere Mutter damals sich bewegte? Vielleicht hat sie sogar getanzt mit mir im Bauch? Wenn wir hier in die Runde fragen würden, wo dieses unser erstes Tanzen denn war, so käme eine weltweite Ökumene zum Vorschein!

 

Auch diese primäre Erfahrung verbindet uns alle, uns alle – weltweit – zu allen Zeiten und Kulturen, in allen Religionen und Konfessionen.

So ändere ich das Motto noch einmal um: statt

tanz verbindet herzen – eine ökumenische chance

sage ich jetzt:

 

Erster Tanz im Bauch unserer Mütter – eine ökumenische Wirklichkeit

 

Denn außer Hera, die aus dem Kopf des Zeus entsprungen ist und Venus, die auf der Muschel aus den Wellen hochstieg, haben wirklich alle Menschen, diese erste Tanzerfahrung gehabt!

Tanz ist eine ökumenische Wirklichkeit. Tanz und Ökumene: das ist eine Bewegung, die bewegend ist und etwas bewegt, es sind Wege zu neuen Gärten der Hoffnung, der Schöpfungsfreude, der Vielfalt, der Heilung und des Friedens, zu unseren Wurzeln und damit zu unseren Quellen der Kraft – das wünsche ich der Tanzbewegung. Ich schließe, indem ich Euch alle segne mit einem

Tanzsegen

Tanzend durchschreite die Räume,

Schwingend durchspringe die Lüfte,

Stampfend rufe die Geister,

Hüpfend genieße die Gräser,

Schleifend ertaste den Boden,

Keuchend verlasse das Denken,

Schwitzend spüre den Körper!

 

So durchtanze das Haus dieser Erde –

So seid ihr gesegnet, ihr Tänzerinnen und ihr Tänzer,

wo auch immer ihr tanzt!

 

Segen der Töchter Evas

 

wir stampfen

wir springen

wir lachen

wir singen

wir segnen einander zur Liebe

 

wir werden

wir wachsen

wir lieben

wir sterben

wir segnen einander zum Leben

 

Wir weinen

wir trauern

wir kämpfen

wir zweifeln

Wir segnen einander zum Frieden

 

wir feiern

wir tanzen

wir teilen

wir loben

wir segnen einander in Weisheit!

 

Beim Singen jeweils wiederholen: