Gebete für die Erneuerte Agende EA
Ostersonntag
Durch deine Macht, Gott,
hast du Jesu Kreuz zum Baum des Lebens verwandelt.
Durch deine Macht, Gott,
verwandelst du unsere Angst in Zuversicht,
unsere Lähmung in neuen Mut.
So wird unser Leben zu einem Gleichnis
für die Auferstehung vom Tod zum Leben.
Auf dich hoffen wir in Zeit und Ewigkeit.
Pfingstsonntag
Tröster-Geist und Gottes-Feuer,
Lebenskraft bis du in allen Geschöpfen.
In dir begegnen wir Gott.
Die Irrenden sammelst du in der Wahrheit
Und machst, dass sie einander verstehen.
Dank sei dir und Lob!
1.Sonntag nach Trinitatis
Wie Bäume auf festem Grund
so strecken wir unsere Wurzeln zu dir, Gott.
Du nährst und,
du stärkst uns.
Die Frucht unseres Lebens wächst aus deiner Kraft.
Lob und Dank sei dir in Ewigkeit.
3. Sonntag nach Trinitatis
Jesus Christus,
du freust dich über das Verlorene, das du wieder findest.
Wir lassen uns anstecken von dieser Freude,
wir lassen uns einladen zu deinem Fest,
hier schon und in Ewigkeit.
6. Sonntag nach Trinitatis
Jesus Christus, du Tor zum Leben,
du lädst uns ein dorthin ein, wo Leben gedeiht.
Jesus Christus, du Tür zu neuen Räumen,
wo sich Leben entfalten kann.
Tor und Tür sind offen:
Dank sei dir, wir schreiten mutig hindurch.
Du bist unser Helfer, jetzt und alle Zeit.
8. Sonntag nach Trinitatis
Jesus Christus, unser Bruder und Freund,
Licht der Welt und Salz der Erde hast du uns genannt.
Sei unser Verbündeter.
Dann können wir unserem Zweifel an Gott
und der Dunkelheit in unserer Seele
dein Licht entgegenhalten und verzagen nicht.
Du bist unsere Hoffnung,
jetzt und in Ewigkeit.
24. Sonntag nach Trinitatis
Gott, du schöpferische Kraft,
du trägst das Universum in deinem Schoß.
Wir blicken in den Sternenhimmel und schauen –
Wie klein, wie ohnmächtig sind wir!
Wir halten ein neugeborenes Kind in unseren Armen –
Wie stark, wie schöpferisch sind wir!
Klein und groß zugleich.
Du trägst das Universum in deinem Schoß,
du trägst auch uns.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Bitte um Frieden und Schutz des Lebens
Gott, du Quelle des Lebens,
du lässt uns träumen von einer neuen Welt.
Dort wird das Wasser des Lebens fließen,
dort werden Bäume grüne Blätter tragen
und Völker werden Heilung finden.
Auf dieses Bild der Hoffnung verlassen wir uns.
Du gibst uns den Mut,
schon jetzt aus dir, der Quelle des Lebens, Kraft zu schöpfen,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Bitte um gesegnete Arbeit
Gott, du Wächter im Menschenhaus,
in dessen Räumen Erwerbstätigkeit und Hausarbeit,
Erziehung der Kinder und Pflege der Kranken ihren Wert heben.
Um gesegnete Arbeit in deinem Menschenhaus bitten wir dich.
Lass uns mit unserer Arbeit dazu beitragen,
dass Leben gelingt.
Auf dich hoffen wir in Zeit und Ewigkeit.
SEGEN strömt aus der Mitte
Hinführung
Die Nachfrage nach Segen ist sehr groß. Groß ist das Bedürfnis nach einer Zuwendung, die nicht mehr hinterfragt werden kann, nach einem unbedingten Ja, auch zu Wut, Verzweiflung und Ungewißheit.
Wir leben in einer brüchigen Zeit. Deshalb bedürfen wir der heilenden Erfahrungen, sei es durch Texte, die wir lesen, Worte, die uns gesagt werden, Berührungen unsere Haut, Gebärden allein oder zu mehreren.
Es fehlt uns in dieser Zeit ein geschlossenes Weltbild, aus dem heraus wir unser eigenes kleines Leben verstehen können. Es fehlt uns der große Zusammenhang, der unserem Leben in unserem Land und unseren sozialen Strukturen eine klare Aufgabe und eine wärmende Heimat gibt.
Die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen können wir heute nicht aus dem Vertrauen in ein Sinngefüge hinnehmen. Alles ist unklar, offen, unsicher. Wir fühlen uns den großen multinationalen Konzernen ausgeliefert. Wir spüren ihre Macht, die bis in unseren Alltag reicht. Aber auch keinem Herrscherhaus, keiner Partei können wir uneingeschränkt vertrauen.
Auf diesem Hintergrund ist der persönliche Lebensplan nicht voraussehbar, er ist nicht geradlinig, nicht zuverlässig. Junge und alte Menschen wissen nur eins: daß sie nicht wissen, wie ihr Lebensweg verlaufen wird.
Wie bekomme ich in dieser Zeit Zugang zu den tragenden Kräften des Lebens? Das ist die Frage, auf die die Segenstexte eine klare Antwort geben. Sie sprechen uns die Geborgenheit und die wohltuende Ordnung zu, die aus der umfassenden Kraft der Gottheit kommt.
Gleichzeitig öffnen sie in uns eine Quelle der Kraft. Beide Kräfte müssen zusammenkommen, denn wir wollen nicht “abgesegnet werden”. Wir wollen selbständig leben und demokratisch auch für unsere eigene Spiritualität verantwortlich sein. Wir wollen nicht eine neue Macht-über-uns.
Die Segenstexte verwenden deshalb viele Bildworte oder Metaphern, wie z.B. das Wasser für das, was unsere Energien zum Fließen bringt oder der Baum, mit dem der Mensch verglichen werden kann. Die inneren Bilder werden aktiviert und stärken uns dadurch.
Segen soll nicht mehr ausschließlich von einer ordinierten oder geweihten Person gespendet werden können.
Segen öffnet in jedem Menschen die Tore der Kraft, die in ihm selbst liegt. Denn, so schreibt Paulus: “Wißt ihr nicht, daß euer Körper der Tempel des Heiligen Geistes ist?” Und im Johannesevangelium sagt Jesus: “Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.”
So hat nun der Segen wieder den gottesdienstlichen Raum verlassen und sich in den Alltag begeben. Dabei geben wir auch die Verengung auf, die besonders im Luthertum eine Beschränkung auf den aaronitischen Segen bedeutet.”Der Herr segne und behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.” Das Alte Testament, die Hebräische Bibel, birgt in sich eine Fülle anderer Segenstexte, unabhängig vom Gottesdienst. So z.B. Segen, der das Erbe weitergibt, Segen, der eine große Nachkommenschaft verheißt, Segen, der Glück wünscht. Diese Segenswrote der Bibel sprechen von existiellen Bedürfnissen und sprechen ihnen Gottes Ja zu.
Das große Verlangen nach Segen ist besonders in der kirchlichen und außerkirchlichen Frauenbewegung zu spüren. Tagungen zum Thema Segen, Arbeitsmappen, Gottesdienste, Segensfeiern zu Anlässen wie die Wechseljahre, Reise, neue Wohnung, werden mit dem Segen begleitet. Segnung lesbischer Paare gehört dazu. Frauen und Männer wollen Lebenserfahrungen vor Gott stellen, damit er sie annimmt. Hatte nicht Hagar, als sie in der Wüste umherirrte und ein Engel ihr den Brunnen zeigte, aufgrund ihrer eigenen Erfahrung Gott einen Namen gegeben: “Gott, du der du mich siehst” oder “die sehende Gottheit”?
Verbunden mit den Texten ist die körperlich-sinnliche Erfahrung: Wohlriechendes Öl, Berührung von Hand und Haut, Tanzen im Kreis um die Mitte. Viele Tanzanleiterinnen verwenden die Segenstexte, wie diejenigen aus meinem ersten Buch (Segen – Herberge in unwirtlicher Zeit) im Zusammenhang mit meditativen Tänzen, so z.B. der Segen der vier Himmelsrichtungen. Segenstänze öffnen alle Sinne und lassen den Segen fließen.
Segen ist ein Grundbedürfnis aller Menschen. So finden wir Segen im Hinduismus – die rote Farbe auf der Türschwelle und die Harfe als Musikinstrument des Segens -, im Islam und natürlich besonders viele Texte und Segensgebete im Judentum. Indianer singen das Segenslied.
In der Jüdischen Tradition und auch in der katholischen Kirche finden wir den Ausdruck: Gesegnet bist du Gott! Damit danken die Gläubigen für Gottes Zuwendung und sie wünschen, daß Gottes Segenskraft noch stärker werde. Allgemein verstehen wir den Segen als eine Macht, die von Gott durch die segnende Person hindurch wirkt. Deshalb können wir auch sagen: Ich segne dich, wir segnen einander. Schließlich wird oft auch das Passiv verwendet: Gesegnet bist du! Damit wird der Name Gottes geschützt vor Inflation. Die Passivform kann auch Personen, die nicht an Gott glauben, in das Segnen miteinbeziehen.
Was kann Segen in dieser brüchigen Zeit tun?
Der Segen sagt:
Ja, auch in der Unsicherheit bist du gehalten.
Ja, auch das Unvollkommene ist in Ordnung.
Ja, auch das Scheitern ist ein Teil des Ganzen.
Ja, auch die sprühende Lebensfreude ist gewollt.
Ja, auch die Kraft des Kreativen ist eine ordnende Kraft.
Ja, auch das Sterben gehört zum Leben.
So gehört der Segen in den Bereich dessen, was das Leben gründet, ihm Sinn und Tragfähigkeit verleiht. Segen gibt uns Zugang zum Grund unseres Seins. Oder wie das Volkslied singt: “In einem kühlen Grunde steht meiner Heimat Haus, da zog ich manche Stunde zum Tal hinaus”. In diesem Landschaftsbild erfahren wir, was “Grund des Seins” meint: Heimat, Quelle und Rückzugsmöglichkeit zugleich.
Der Segen kommt zu uns als Wort, das wir hören, dessen Klänge uns vertraut sind.
Segen kommt räumlich zu uns, wenn die Pastorin oder der Pastor die Hände erheben und eine Verbindung im Raum entsteht. Segen schwingt dann wie eine Saite der Geige im Resonanzboden.
Und Segen spüren wir auf unserem Leib. Handauflegen bei der Konfirmation, bei der Trauung oder wenn eine Freundin uns ein Zeichen auf Stirn oder Hände gibt, dann geht Segen unter die Haut.
Segen bekräftigt uns an unserem Ort, gibt uns Würde und läßt uns die Gegenwart der guten Mächte erfahren. So kann eine Situation zur Begegnung mit dem Heiligen werden.
Was ist SEGEN?
Einführung
Segen ist das gute Wort, das Gutes bewirkt. Mehr noch: Segen ist das Wort, das Gottes Gegenwart herbeispricht. Die Situation, in die Gott hineingesprochen wird, ist unsere Lebenswirklichkeit: Sie ist Wandlung, Abschiednehmen, Neuanfang und Wagnis, ein Leben, zu dem der Tod gehört, das Scheitern, das Leiden und die Hoffnung, das Licht am Ende des Tunnels, der Sinn im Trotzdem.
In all diesen Bewegungen suchen wir eine Herberge, einen Ort, ein Zuhause. Offen sein für die Richtung, in die die Kompassnadel weist und Freude über die Einkehr in der warmen Stube gehört zum Menschsein unverzichtbar hinzu. Wenn diese Her¨berge nicht da ist, weist eine innere Unruhe auf sie hin.
Der Segen ist ein besonderes Wort. Der Segen kann diese Herberge anbieten, sei es als geschriebens Wort, sei es als Geste der Handauflegung. Dank der Sprache geschieht dabei zweierlei. Zum einen wird die Lebenswirklichkeit beim Namen genannt: die Wandlung, die Unruhe, die Hoffnung, der Sinn – Trotzdem. Und dann wird in diese Situation hinein Gesegnet sei es gesagt. Jetzt sind die wandernden Menschen für einen Augenblick eingekehrt. Sie wissen für eine kurze Zeitspanne, wo sie hingehen!
Diese Heimat nennen wir Gott. Einige der Segenstexte nennen diese Heimat auch Göttin. Warum?
Es ist uns allen selbstverständlich, dass Gott Geist und Liebe ist, eine Kraft, die nicht männlich und nicht weiblich ist. Doch wir brauchen Bilder, nicht um sie anzubeten, sondern um uns mit ihnen der Gottheit zu nähern. Sie sind das Tor, durch das dieser Geist, diese Kraft und Liebe zu uns kommt.
Wir finden für die Gottheit eine Fülle von Bildern in der Bibel und in den Gebeten der Christenheit: Hirte, Vater, Mutter, Adlermutter, Richter, Herrscher, Berg und Hügel, Wasser des Lebens, Sonne der Gerechtigkeit…
Unser inneres Auge sieht mit, wenn wir diese Bilder hören oder lesen. Das innere Auge sieht und sättigt die Seele. Es sieht männliche und weibliche Bilder für Gott und natürlich auch Natur- und Berufsbilder. Es speist damit das Herz mit den Kräften, die diese Bilder in uns wach rufen. Aus diesem Grund sollen nicht nur männliche, sondern auch weibliche Bilder in uns entstehen.
In Bildern – Symbolen – spricht unsere Sprache auch die Lebenswirklichkeit aus. So haben die irischen Segenstexte gerade deshalb ein großes Echo gefunden, weil sie unsere vielfältigen Lebenserfahrungen in Bilder vom Weg, von Sonne und Regen, vom Licht und den Sternen eingefangen haben.
In der Hebräischen Bibel finden wir außerordentlich viele Hinweise dafür, dass die Menschen sich gegenseitig segneten, noch bevor der Segen ganz vom Kult und Gottesdienst übernommen wurde. Dabei fallen sehr unterschiedliche Segenstexte ins Auge.
I. Sehr alte Segensworte weisen dem Menschen einen Ort zu zwischen Himmel und Unterwelt auf der Erde, die ihn ernährt:
Gesegnet ist dein Land
mit dem Köstlichsten vom Himmel droben,
und mit der Flut, die drunten liegt,
mit dem Köstlichsten, was die Sonne hervorbringt,
und mit dem Köstlichsten, was die Monde erzeugen,
mit dem Besten uralter Berge
und mit dem Köstlichsten der ewigen Hügel
mit dem Köstlichsten der Erde und ihrer Fülle!
5.Mose 33,13©16
II. Andere Segenstexte sprechen das Problem an, das damals das dringlichste war, die Notwendigkeit, Nachkommen zu haben: Dein Same soll so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel. Warum das? Für die Besitzer von Viehherden war es überlebenswichtig, Kinder zu haben, die die Herden beieinanderhalten und die den Alten Nahrung und Wohnung ermöglichen sollten. Diesem Ziel dienten auch die Frauen und da die Hebräische Bibel in einer patriarchalen Gesellschaftsordnung geschrieben wurde, sind diese Segenstexte und ihre Adressaten, die Männer, besonders häufig anzutreffen.
Die Lebenswirklichkeit der Frau wird direkt angesprochen in einem Segen im 2.Buch Mose, 23,25f:
Ich werde dein Brot und dein Wasser segnen
und alle Krankheiten aus deiner Mitte hinwegnehmen.
Keine Frau wird fehlgebären oder unfruchtbar sein
in deinem Lande.
Ich werde die Zahl deiner Tage voll machen. Amen
III. Und eine dritte Gruppe von Segensworten spricht in den Worten der Weisheit. Diese Lehre ist eine internationale geistig-religiöse Bewegung im Vorderen Orient gewesen. Sie beschreibt das menschliche Leben mit Bildern aus der Natur. Es geht ihr dabei immer darum, dass die Balance im Leben gefunden werde.
Der Gesegnete ist wie ein Baum,
am Wasser gepflanzt,
der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt.
Denn obgleich die Hitze kommt,
fürchtet er sich doch nicht,
sondern seine Blätter bleiben grün.
Und er sorgt sich nicht,
wenn er dürres Jahr kommt,
sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
Jer 17,8f
Die Segenworte, die ich selbst geschrieben habe, wollen Mut machen, eigene Lebenserfahrungen mit Gott zusammenzusehen, besser: Gottes Gegenwart mit ihnen in Verbindung zu bringen. Die Texte selbst sind so entstanden.
Die Schreibwerkstatt kann eine Anleitung dazu sein, selbst Segen schreibend zu beten.
Segen und Segnen ist damit aus dem Gottesdienst herausgeholt und wieder direkt mit dem Leben verbunden worden. In der katholischen Kirche hat sich diese Praxis immer erhalten, Mütter haben ihre Kinder gesegnet. Eine andere Erinnerung daran ist der wunderbare Kinderreim, in dem viele Lebenserfahrungen verdichtet sind:
Heile, heile Segen,
drei Tag Regen
drei Tag Sonnenschein
und alles wird
wieder gut sein.
Mit diesen Worten und dem Streicheln haben Eltern Kinder getröstet. Der Reim verweist uns auf die Erkenntnis, dass alles seine Zeit hat, Zeit zum Leid und Zeit zum Glück. Die Dreizahl will auch symbolisch verstanden sein als Zahl der Ganzheit: gänzliches Unglück – volles Glücklichsein.
Der Schluss verspricht mehr, als er halten kann. Das tut jeder Segen. Das hat aber seinen Sinn. Es erinnert an die Bilder vom Neuen Jerusalem im letzten Kapitel des Neuen Testamentes: die Goldene Stadt ist auf Edelsteinen erbaut, in ihrer Mitte ist das Wasser des Lebens und Bäume bringen heilende Blätter, Braut und Bräutigam (das Lamm), Weibliches und Männliches vereinigen sich. Diesem Bild ist auch der letzte der folgenden Segenstexte nachgedichtet. Der Sinn ist der: Die Verheißung der Vollkommenheit oder dass alles wieder gut sei gibt dem Heute, dem Hier und jetzt die Qualität der Sicherheit und Geborgenheit. Die Wanderer auf dem Weg des Lebens sind in der Herberge eingekehrt, stärken sich und können mit neuer Kraft weitergehen.
Schreibwerkstatt SEGEN
Schreibwerkstatt Segen
Die Maler der russischen Ikonen waren der Auffassung, dass ihr Malen beten sei. So verstehe ich das Schreiben der Segenstexte als ein Herbeirufen Gottes, als ein Beten. Wer Segensworte in seinen oder ihren Gedanken aufsteigen lässt und um Worte ringt, ist Gott nahe.
Alle Menschen, die schöpferisch sind, suchen und finden eine bestimmte Zeit und gewisse äußere Bedingungen, die sie kreativ sein lassen: die frühen Morgenstunden, nachts ohne Schlaf, auf Wanderwegen oder im Intercity.
Ich stelle jetzt die fünf Wege vor, die zu Segenstexten führen können und nenne dies Schreibwerkstatt:
I. Wir fangen die lebendige Vielfalt alles dessen, was wir erleben, ein und sprechen ihr Gottes Segen zu: Landschaft, Tiere… Wir beschreiben etwas aus diesem Leben und setzen darunter: so segne Gott…oder wir schreiben: Gott segne …
II. Wenn in der Lebenswirklichkeit große Spannungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit bestehen, nennen wir beides beim Namen. Gerade hier hinein komme Gott mit seinem Segen!
III. Wir nehmen die Bilder des inneren Auges: Licht, Wasser, Tür, Weg… für Erfahrungen des Lebens – Geburt und Tod, Veränderungen. Beim Schreiben wählen wir die Bilder und meinen die Erfahrungen. Solches tun auch die beliebten irischen Segenstexte. “Möge der Wind Deinen Rücken stärken.” Wir können schreiben: Gottes Segen begleite…
IV. Ein großer Reichtum liegt in den biblischen Texten und Bildern. So z.B. im Gleichnis vom Schatz im Acker, Mt 13,44. Wir hören erst die Erzählung nach ihrer Botschaft ab. Dazu bedarf es viel Offenheit, Gespräche mit Freunden, Unbekümmertheit gegenüber der theologischen Wissenschaft. Wir schließen die Augen und lassen die Bilder sich bewegen. Dann erkennen wir die Kraft des Gleichnisses und seine Botschaft.
Nun ist es gut, die trinitarische Form zu wählen: Der Segen Gottes, der Segen Jesu Christi, der Segen des Heiligen Geistes, oder der Segen der Weisheit…
Daraus kann sich folgender Text ergeben:
So segne Euch Gott
mit dem Schatz, den er Euch schenkt.
So segne Euch Christus
mit dem Schatz, der er Euch entdeckt.
So segne Euch der Heilige Geist
mit dem Schatz, den Ihr weitergebt. Amen
V. Ich segne Dich! Diese Form der Segensworte bringt zum Ausdruck, dass wir als Ebenbild Gottes die Würde und Macht haben, zu segnen und ein Segen zu sein. Damit sind wir gewissermaßen der Resonanzboden des göttlichen Segens: Wir bringen ihn zum Schwingen. Es ist wichtig, die Lebenswirklichkeit genau beim Namen zu nennen. Es ist wie bei einer Kamera, deren Objektiv genau eingestellt wird.
VI. Wir wählen einen alttestamentlichen Segen aus und schreiben ihn neu für unsere Zeit. Dazu eignen sich die in der Einleitung erwähnten Texte und Psalm 128.
VII. Einige meiner Segenstexte habe ich geschrieben im Anschluss an eine ekstatische Erfahrung, wie sie die Tanzpädagoginnen Kaye Hofmann und Uta Maria Köninger mir ermöglicht haben. Für uns in Europa bedeutet Ekstase nicht, dass wir das Bewusstsein verlieren. Durch Trommeln und Tanzen werden sehr tiefe Bilder wachgerufen, die im Gleichmaß des Alltags eingeschlafen sind.
VIII. Eine besondere Freude bereiten die Segenstänze. Das Lied: “Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns mit Deinem Segen, sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit Deinem Segen” wird im Kreis geschritten, dann in die Mitte hinein und zuletzt um sich selbst.
Tänze, Gesten, Rituale und Segnungsgottesdienste werden zur Zeit wieder entdeckt. Sie sollen in dem Buch: “Segen ist nicht nur ein Wort” veröffentlicht werden.
Artikel SEGEN im Wörterbuch der feministischen Theologie
Segen, Teil 3: Segenspraxis
Der Aufbruch der Frauen hat bewirkt, dass das Segnen befreit von der Sorge um ein “magisches Missverständnis” aus dem Kirchenraum heraus- und in die Lebenswirklichkeit hineingetragen wurde. Segnen ist nicht mehr gebunden an Ordination/Priesterweihe. In den Kirchen gewinnen die Frauen die Vitalität der Segenspraxis zurück. Der Reichtum der Segenshandlungen im Benediktionale der katholischen Kirche, der durch die Männerhierarchie für Frauen nicht mehr spürbar war, kann zur Fundgrube für Segnungen (Osterkerzenweihe) werden, die ökumenisch rezipiert werden können.
In welchen Situationen gibt uns der Segen den “Zugang zu den tragenden Kräften des Lebens” ? (vgl. Mowinkel, Psalmstudien). Lebensübergänge, Beginn einer Reise, Schuljahrsanfang, Einzug in eine Wohnung, Schwangerschaft, Trauer, Geburtstage, Partnerschaft von Lesben, das sind die Situationen, die nach Segen rufen. Die WGT-Liturgie schlägt 1994 vor, die Nachbarin zu segnen.
Mit der neuen Segenspraxis korrespondiert eine neue Sprache, gespeist von Lebenserfahrungen, z.B.Segen über einer Fehlgeburt (vgl. Strack 2000) und inneren Bildern, entsprechend der Wiederentdeckung der irischen und keltischen Segenstexte mit ihren Naturbildern (Möge der Wind dir den Rücken stärken..) und das Experimentieren mit alten und neuen Gottesbildern (Quelle, Hebamme). In der grauen Literatur finden sich viele ad hoc geschriebene Segenstexte von Rüstzeiten und Tagungen, s. Schreibwerkstatt Segen (Strack 1998). Der FrauenKirchenKalender druckt seit 10 Jahren jeden ersten Sonntag im Monat einen Segen ab.
Mit der Wiederentdeckung des Leibes und des Raumes entstehen neue Ausdrucksformen und Liturgien des Segnens: Berührung wie z.B. im Kinderreim “Heile, heile Segen”, der alle Elemente der neuen Segenspraxis enthält, Gebärden z.B. zum Segen mit einem lettischen Lied (vgl. Lander/Zohner 1987), jetzt auch in der Erneuerten Agende Gebärden zum Segenslied “Es segne und behüte…” und ein Segenstanz zu dem Lied “Bewahre uns Gott” (vgl. Ev. Gesangbuch Ausgabe Bayern u.a. S.1222). Beim Segenstanz wird aus der Mitte der Segen geholt und von den Tanzenden weitergegeben im Kreis (vgl. Walton, CONCILIUM 1983 ). Das Lied “Viel Glück und viel Segen” ist eine Erinnerung an die Kraft des Segensliedes, das durch An-Singen den Segen ad personam weitergibt.
Diese verschiedenen Elemente werden eingebettet in die Abfolge eines Rituals, einer Andacht, zum ersten Mal von Roemary Radford Ruether in ihrem Buch “Unsere Wunden heilen, unsere Befreiung feiern: Rituale in der Frauenkirche” veröffentlicht (vgl. Ruether 1988). In der Thomasmesse werden Segnungen angeboten, bei denen jeweils drei Personen segnen. In evangelikalen und charismatischen Gruppen wird Segen verbunden mit Heilung. Die anglikanische Kirche kennt diesen Zusammenhang (healing ministry) und bietet z.B. Segnungen in der Westminster Abbey in London an.
Strittig ist die Segenspraxis bei Segnungen von Räumen und Maschinen, die nicht nur dem Leben dienen sondern es auch zerstören (Flughafen München, Motorradsegnungen), dennoch sind keine Fluchtexte und – handlungen wie im Alten Israel bekannt. Die erhobenen Hände beim gottesdienstlichen Segnen, das Berühren mit Händen, das Fassen im Kreistanz – das weist auf die besondere Kraft und Bedeutung der Hände hin. Die Segenspraxis in anderen Religionen bedarf noch der Rezeption.
Weiterführende Literatur:
FrauenKirchenKalender 1992-2002 passim – Tagungsmappen – Liturgiebücher
Schlagworte: Segensgebärden, – lieder, -rituale, – tänze, -worte, rites de passage
Im Text erwähnte Literatur:
CONCILIUM, internationale Zeitschrift für Theologie, April 1985 21. Jhrg. Heft 2: Macht der Segnung – Segnung der Macht, Mainz 1985
Enzner-Probst, Brigitte, Löffler, Irene (1997-2001), Strack, Hanna: FrauenKirchenKalender 1992-2002, München, Zorneding, Pinnow/Schwerin
Lander, Maria Hilde, Zohner, Maria-Regina, Meditatives Tanzen, Stuttgart 1987
Mowinckel, Sigmund, Psalmstudien I-VI. Kristina 1921-24
Ruether, Rosemary Radford, Unsere Wunden heilen / unsere Befreiung feiern. Rituale in der Frauenkirche, Kreuz-Verlag Stuttgart 1988
Strack, Hanna, Segen – Herberge in unwirtlicher Zeit. Texte und Schreibwerkstatt von Hanna Strack, Scherenschnitte von Adelheid Strack-Richter, 4.Auflage 1998
diess. Hrg.: Segen ist nicht nur ein Wort
Tänze, Gesten, Meditationen, Rituale, Ikebana 2.Aufl. 1999
diess.: Segen strömt aus der Mitte. Neue Texte von Hanna Strack, Mandalas von Sigrid Kaußler-Spaeter 2.Aufl 2000
Süß, Katja, Segen: Zeichen lebensspendender Zuneigung. Erfahrungen, Texte und Riten von Frauen heute. Diplomarbeit im Fachbereich 01 Kath. Theologie Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, SS 1992
Tagungsmappen: Müller, Birgit (Hg),Segensworte und Segensgesten. Heft 72 der Materialhefte 1994, Beratungsstelle für Gestaltung von Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen, Eschenheimer Landstr. 565, 60431 Frankfurt/M Tel 069/5302246
Tagungsmappen:
- Segen in meinem Leben, Arbeitshilfe für Frauen- und Gemeindegruppen, hrg von der Ev. Frauenhilfe in Hessen und Nassau e.V., Darmstadt
- “Ich will Dich segnen, Du sollst ein Segen sein”, Dokumentation der 3. Werkstatt Feministische Liturgie vom 16.-18. September 1994 in Gelnhausen, hrg vom Burckhardthaus in Kooperation mit dem Frauenstudien- und Bildungszentrum der EKD, Gelnhausen
- “Gesegnet bist du unter den Frauen”, Frauen als Segnende und Gesegnete. Dokumentation des 3. Tages Feminist. Theologie am 20. Mai 1995 in Heimersheim, hrg von der Frauenbeauftragten des Kirchenkreises Bad Godesberg
Walton, Janet, Segnen auf kirchliche und feministische Weise. Frauen als Objekte und Subjekte der Vollmacht zu segnen. s. CONCILIUM
Abigail und David segnen einander
Abigail segnet David mit den Worten:
Wenn sich ein Mensch erhebt,
dich zu verfolgen
und dir nach dem Leben zu trachten,
so möge das Leben meines Herrn
eingebunden sein
im Bündel der Lebendigen bei Gott,
aber das Leben der Feinde
soll er fortschleudern mit der Schleuder!
1. Samuel 25,29
Das Bündel der Lebendigen ist ein Bild aus dem Hirtenleben.
Für jedes lebende Schaf wurde ein Stein in einem Beutel aufbewahrt.
David segnet Abigail mit den Worten:
Gelobt sei der Herr, der Gott Israels,
der dich heute mir entgegengesandt hat,
und gesegnet sei deine Klugheit,
und gesegnet bist du,
dass du mich heute davon abgehalten hast,
in Blutschuld zu geraten
und mir mit eigener Hand zu helfen.
Zieh mit Frieden hinauf in dein Haus!
1. Samuel 25, 32. 33. 35b
Segensworte in der Bibel
Gen 1,22
Seid fruchtbar und mehret euch
und erfüllet das Wasser im Meer,
und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.
Gen 1,28
Seid fruchtbar und mehret euch
und füllet die Erde
und machest sie euch untertan
und herrschet über die Fische im Meer
und über die Vögel unter dem Himmel
und über das Vieh
und über alles, was auf Erden kriecht.
Gen 2,3
Und Gott segnete den siebenten Tag
und heiligte ihn,
weil er an ihm ruhte
von allen seinen Werken,
die Gott geschaffen und gemacht hatte.
Gen 12, 2+3
Ich will dich segnen
und dir einen großen Namen machen,
und du sollst ein Segen sein.
Ich will segnen, die dich segnen
und verfluchen, die dich verfluchen;
und in dir sollen gesegnet werden
alle Geschlechter auf Erden.
Gen 14,19
Melchisedek segnet Abraham:
Gesegnet seist du, Abraham,
vom höchsten Gott,
der Himmel und Erde erschaffen hat.
Gen 17,16
Gott zu Abraham und Sara:
Ich will dich segnen,
und auch von Sara will ich dir einen Sohn geben;
ich will sie segnen,
und Völker sollen aus ihr werden
und Könige über viele Völker.
Vers 20
Siehe, ich habe Ismael gesegnet
und will ihn fruchtbar machen
und über alle Maße mehren.
Zwölf Fürsten wird er zeugen
und ich will ihn zum großen Volk machen.
Gen 22,17
Ich will dein Geschlecht segnen und mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen; und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast.
Gen 24,60
Die Brüder zu Rebekka: Du, unsere Schwester,
wachse zu vieltausend mal tausend,
und dein Geschlecht besitze die Tore seiner Feinde.
Gen 27,27-29
Isaak zu Jakob (Esau):
Siehe, der Geruch meines Sohnes
ist wie der Geruch des Feldes,
das der Herr gesegnet hat.
Gott gebe dir vom Tau des Himmels
und von der Fettigkeit der Erde
und Korn und Wein die Fülle.
Völker sollen dir dienen,
und Stämme sollen dir zu Füßen fallen.
Sei ein Herr über deine Brüder,
und deiner Mutter Söhne sollen dir zu Füßen fallen.
Verflucht sei, wer dir flucht,
gesegnet sei, wer dich segnet!
Gen 48,15+16
Israel zu Josef:
Der Gott,
vor dem meine Väter Abraham und Ismael
gewandelt sind,
der Gott, der mein Hirte gewesen ist
mein Leben lang bis auf diesen Tag,
der Engel, der mich erlöst hat von allem Übel,
der segne die Knaben,
daß durch sie mein und meiner Väter
Abraham und Isaak Name fortlebe,
daß sie wachsen und viel werden auf Erden.
Ex 1,21
Und weil die Hebammen Schifra und Pua
Gott fürchteten, segnete er ihre Häuser.
Ex 23,25
Gott wird dein Brot und dein Wasser segnen,
und ich will alle Krankheit von dir wenden.
Es soll keine Frau in deinem Lande
eine Fehlgeburt haben oder unfruchtbar sein,
und ich will dich lassen alt werden.
Ich will meinen Schrecken vor dir her senden
und alle Völker verzagt machen, wohin du kommst,
und will geben, daß alle deine Feinde vor dir fliehen…
Dtn 33,13-16
Moses über Josef:
Gesegnet vom Herrn ist sein Land
mit dem Köstlichsten vom Himmel droben, dem Tau,
und mit der Flut, die drunten liegt,
mit dem Köstlichsten, was die Sonne hervorbringt,
und mit dem Köstlichsten, was die Monde erzeugen,
mit dem Besten uralter Berge und mit dem Köstlichsten
der ewigen Hügel,
mit dem Köstlichsten der Erde und ihrer Fülle.
Die Gnade dessen, der in dem Dornbusch wohnte,
komme auf das Haupt Josefs,
auf den Scheitel der Geweihten unter seinen Brüdern.
Gen 49,25+26
Jakob über Josef:
Von deines Vaters Gott werde dir geholfen
und von dem Allmächtigen
seist du gesegnet
mit Segen oben vom Himmel herab,
mit Segen von der Flut, die drunten liegt,
mit Segen der Brüste und des Mutterleibes.
Num 6,24-26
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht
leuchten über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht
über dich und gebe dir Frieden.
Dtn 28,3-6
Gesegnet wirst du sein in der Stadt,
gesegnet wirst du sein auf dem Acker.
Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes,
der Ertrag deines Ackers
und die Jungtiere des Viehs,
deiner Rinder und deiner Schafe.
Gesegnet wird sein dein Korb und dein Backtrog.
Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang
und gesegnet bei deinem Ausgang.
Ri 5,24
Gepriesen=Gesegnet
Gepriesen sei unter den Frauen
Jael, das Weib Hebers, des Keniters;
gepriesen sei sie im Zelt unter den Frauen!
Rut 2,19+20
Noomi über Boas:
Gesegnet sei, der dir freundlich gewesen ist…
gesegnet sei er vom Herrn,
der seine Barmherzigkeit nicht abgewendet hat
von den Lebendigen und von den Toten.
1.Sam 2,20
Eli über Elkana und Hanna:
Der Herr gebe dir Kinder
von dieser Frau anstelle des Erbetenen,
den sie vom Herrn erbeten hat.
1.Kön 8,57
Salomo über die Gemeinde:
Der Herr, unser Gott, sei mit uns,
wie er mit unseren Vätern gewesen ist.
Er verlasse uns nicht
und ziehe die Hand nicht ab von uns.
Er neige unser Herz zu ihm,
daß wir wandeln in allen seinen Wegen
und halten seine Gebote, Satzungen und Rechte,
die er unseren Vätern geboten hat.
Mögen diese Worte,
die ich vor dem Herrn gefleht habe,
nahe sein dem Herrn, unserm Gott, Tag und Nacht,
daß er schaffe Recht seinem Knecht
und seinem Volk Israel alle Tage,
damit alle Völker auf Erden erkennen,
daß der Herr Gott ist und sonst keiner mehr!
Und euer Herz sei ungeteilt
bei dem Herrn, unserm Gott,
daß ihr wandelt in seinen Satzungen
und haltet seine Gebote, wie es heute geschieht.
Ps 115,12-15
Der Herr denkt an uns und segnet uns;
er segnet das Haus Israel,
er segnet das Haus Aaron.
Er segnet, die den Herrn fürchten,
die Kleinen und die Großen.
Der Herr segne euch je mehr und mehr,
euch und eure Kinder!
Ihr seid die Gesegneten des Herrn,
der Himmel undErde gemacht hat.
Ps 122,6
Wünschet Jerusalem Glück!
Es möge wohl gehen denen,
die dich lieben!
Es möge Frieden sein in deinen Mauern
und Glück in den Palästen!
Um meiner Brüder und Freunde willen
will ich dir Frieden wünschen.
Um des Hauses des Herrn willen,
unseres Gottes,
will ich dein Bestes suchen.
Ps 128
Wohl dem, der den Herrn fürchtet
und auf seinen Wegen geht!
Du wirst dich nähren
von deiner Hände Arbeit;
Wohl dir, du hasts gut.
Dein Weib wird sein
wie ein fruchtbarer Weinstock
drinnen in deinem Haus,
deine Kinder wie junge Ölbäume
um deinen Tisch her.
Siehe, so wird gesegnet der Mann,
der den Herrn fürchtet.
Der Herr wird dich segnen aus Zion,
daß du siehst das Glück Jerusalems
dein Leben lang
und siehst Kinder deiner Kinder.
Friede sei über Israel!
Ps 133
Siehe, wie fein und lieblich ists,
wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!
Es ist wie das feine Salböl
auf dem Haupte Aarons,
das herabfließt in seinen Bart,
das herabfließt zum Saum seines Kleides,
wie der Tau, der vom Hermon herabfällt
auf die Berge Zions!
Denn dort verheißt der Herr den Segen
und Leben in Ewigkeit.
Jer 17,7+8
Gesegnet ist der Mann,
der sich auf den Herrn verläßt
und dessen Zuversicht der Herr ist.
Der ist wie ein Baum,
am Wasser gepflanzt,
der seine Wurzeln zum Bach hin streckt.
Denn obgleich die Hitze kommt,
fürchtet er sich doch nicht,
sondern seine Blätter bleiben grün;
und er sorgt sich nicht,
wenn ein dürres Jahr kommt,
sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
1.Sam 25, 27-33
Abigail zu David:
Hier ist die Segensgabe,
die deine Magd meinem Herrn gegeben hat…
Der Herr wird meinem Herrn ein
beständiges Haus bauen,
denn du führst des Herrn Kriege.
Es möge nichts Böses an dir gefunden werden
dein Leben lang.
Und wenn sich ein Mensch erheben wird,
dich zu verfolgen
und dir nach dem Leben zu trachten,
so soll das Leben meines Herrn eingebunden sein
im Bündlein der Lebendigen bei dem Herrn…
David antwortet:
Gelobt sei der Herr, der Gott Israels,
der dich heute mir entgegen gesandt hat,
und gesegnet sei deine Klugheit
(M.Buber: Gesegnet dein Gefühl!)
und gesegnet seist du,
daß du mich heute davon abgehalten hast,
in Blutschuld zu geraten
und mir mit eigener Hand zu helfen…
Zieh in Frieden hinauf in dein Haus;
siehe, ich habe auf deine Stimme gehört
und dein Antlitz wieder erhoben.
Sach 8,13
Wie ihr vom Hause Juda
und vom Haus Israel ein Fluch gewesen seid
unter den Heiden,
so will ich euch erlösen,
daß ihr ein Segen sein sollt.
Fürchtet euch nicht
und stärket eure Hände!
Mal 3,10
… und prüft mich hiermit,
spricht der Herr Zebaoth,
ob ich euch dann nicht
des Himmels Fenster auftun werde
und Segen herabschütten die Fülle.
Luk 1,42
Elisabeth über Maria
Gepriesen=Gesegnet
Gespriesen bist du unter den Frauen
und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!
2.Kor 13,13
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen!
1.Petr.5,10
Der Gott aller Gnade, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.
Hebr 6,7
Denn die Erde, die den Regen trinkt,
der oft auf sie fällt,
und nützliche Frucht trägt denen,
die sie bebauen,
empfängt Segen von Gott.
Hebr.13,20+21
Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe, unseren Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Zu Tod und Sterben
Zeit zum Leben – Zeit zum Sterben
Ich werde aus meiner Mutter Leib geboren
Und liege zwischen ihren Schenkeln.
Schon bist du da, Lebenszeit,
Und nimmst mich in deine Hände.
Ich spanne meine Sinne
In der Leidenschaft der Liebe,
da hältst du, Lebenszeit, inne
und feierst Hoch-Zeit.
Ich lasse ab von meinen Früchten,
gereift aus Arbeit und Engagement
und verschenke sie gerne
an dich, du neue Zeit.
Ich lege mich nieder zum Sterben,
will das Zeitliche segnen,
Und gebe dich, meine Lebenszeit,
zurück in Gottes Hände.
So hat Gott die Zeit gewährt,
hat mich berührt und gesegnet
und mir eine erfüllte Zeit geschenkt.
An ein totes Kind
Liebes Kind,
Dein Vater und deine Mutter
haben dich in der Leidenschaft der Liebe
ins Dasein gerufen,
Gott hat dich im Mutterschoß gewoben
in kunstvollen, doch zerbrechlichen Mustern.
Nun hat Gott hat deinen Lebensteppich
aus dem Rahmen genommen
und zu sich geholt in sein Haus,
wo viele Wohnungen sind.
So bist du aus der Liebe
von Vater und Mutter gekommen.
So kehrst du in die Liebe
der göttlichen Allmacht zurück.
Du bleibst unser Kind, unser Edelstein,
der uns leuchtet!
Amen
Segen für unser totes Kind
(über einer Fehlgeburt)
Du warst ein Kind der Hoffnung,
unsere Liebe umhüllte dich,
unsere Fantasie schmückte dein Leben aus.
Du warst ein Kind der Freude.
Wie eine Blüte ging unser Herz auf,
denn wir erwarteten dich voll Sehnsucht.
Du warst ein Kind des Lebens.
Wir wollten Leben weitergeben
und uns selbst beschenken lassen.
Du bleibst unser Kind.
Doch du bist ein Kind der Sehnsucht,
das zu einem Kind der Trauer wurde.
Du hast sie nicht gesehen,
den Sonnenglanz und die Mondsichel.
Du hast nicht in unsere leuchtenden Augen geschaut.
Nun aber siehst du das Licht,
das strahlende, wärmende Licht
der Liebe Gottes.
Auch du wohnst im Hause Gottes,
wo viele Wohnungen sind.
Du bist gesegnet
du Kind der Hoffnung, der Freude
und des Lebens.
Und mit dir ist gesegnet
unsere Trauer um dich,
du Kind bei Gott.
Gebet einer Mutter in tiefer Trauer
Gott,
ich bin gelähmt vor Trauer
um mein Kind!
Gott,
ich verstehe dich nicht,
ich bin enttäuscht von dir,
denn ich weiß nicht, was du von mir willst!
Hier liege ich in unendlichem Schmerz.
Wo ist mein Kind?
Ist seine Seele glücklich wie einst,
als es lächelte, wenn ich es hinterm Ohr kitzelte?
Gott,
ich habe erkannt, dass alles Illusion ist,
nur eines ist wirklich: mein abgrundtiefer Schmerz.
Alle Hoffnung, alle Zukunft, ja meine Lebendigkeit
ging mit meinem Kind in den Tod.
Gott,
ich bleibe einfach still
und warte ich auf ein Zeichen deiner Liebe.
Ich kann nicht glauben, dass du strafst,
ich kann nicht glauben, dass ich schuld bin,
ich kann nicht mehr beten.
So hoffe ich, dass mein Kind im Licht wohnt.
Und wenn ich am Himmel den Abendstern sehe,
dann spreche ich und lächle ihm zu:
Ja, liebes Kind, wir bleiben einander verbunden.
Du bist mein heller Stern!
Gott,
ich bleibe einfach still
und warte auf ein Zeichen deiner Güte.
Ich habe viel Zeit. Amen
Zum Tod eines jungen Mädchens
Meine Tochter!
Hörst du,
wie mein Herz weint,
wie alle meine Sinne schreien:
Wo war dein Schutzengel,
als du sterben musstest?
Was antwortest du mir?
Mutter!
Da war kein Schutzengel,
es war der Todesengel,
er trug mich fort
in die weiten Arme Gottes!
Meine Tochter!
Es ist alles ohne Sinn,
es bleibt nur ein rasender Schmerz,
alles ist so absurd!
Mutter!
Wie weit sind Himmel und Erde!
Wie groß ist der mütterliche Schoß Gottes!
Wie warm umfängt mich diese Liebe!
Meine Mutter,
lass es gut sein so.
Segen für eine, die zu früh starb
In den kurzen Jahres deines Lebens
hast du dein Feld bestellt.
Was du gesät hast,
bringt gute Früchte hervor,
sie reiften in der Sonne deiner Liebe.
Dazwischen leuchten
farbenfrohe Blumen
und künden uns von der Fülle deines Lebens.
Gesegnet sei dein Feld,
gesegnet seine Früchte,
gesegnet seine Blüten!
Im Zenit deiner Schaffenskraft
wirst du gerufen,
den Weg an die Quelle des Ursprungs zu gehen.
Noch eine geraume Zeit stehen wir einsam
und schauen auf dein Feld.
Dann folgen wir nach.
Denn aus der Quelle des Ursprungs
entspringt das Zeitmaß
für die Fülle der Gaben
und für die Rückkehr zur Quelle.
Gesegnet sei die Zeit zum Leben,
gesegnet sei die Zeit zum Sterben.
Für meine Mutter im Sterben
Nun stellst du dich dem Sterben.
Nun fragst du:
Wie benehme ich mich denn dann?
Nun bittest du um Beistand,
um wärmende Hände,
die deinen Kopf halten.
Nun treten wir den Abschied an.
Wir wollen dein Sterben gemeinsam erwarten.
Du gehst in die Ruhe hinweg.
Ich komme später nach.
Gottes Segen verbinde uns beide,
wie ein großer Regenbogen
spanne er sich um uns.
Amen
Gott, meine Enkelin
Nachdichtung zu Psalm 23
Mein Gott ist eine junge Enkelin,
die singend das schwere Holz
auf ihrem Kopf
zur Hütte bringt.
Dann schöpft sie Wasser aus dem Bach -
mit vollem Eimer hoch auf dem Haupt
hüpft sie voran mit leichtem Tritt.
sie zündet ein knisterndes Feuer an
und bereitet für mich im Kreis
der Familie
einen Topf voll Maisspeise mit Spinat.
Und wenn ich alte Frau krank bin
stützt sie mich -nimmt meine Hand -
und führt mich zum Mtombobaum.
Wo sie mich hinsetzt im Gesprächskreis
der Bekannten
durchwärmt die Sonne
meine zitternden Glieder;
der weite Schatten schützt mich vor
zu grosser Hitze.
Alles Ungeheure was mir begegnen
könnte
hält sie von mir. Ich bleibe in Gottes
sorgenden
Händen mein Lebenlang.
Sie heilen mich, sie empfangen meinen
verhärmten Leib.
Sie fangen mich wie die Hände der
Hebamme
das neugeborene Kind.
Gertrud Strauss
4 Elgin drive
Cowies Hill 3610 Südafrika
aus: JungeKirche. Zeitschrift für europäische Christinnen und Christen 4/01 S. 52
www.Junge.Kirche.de