Hanna Strack » Andacht zum Thema Despression

Andacht

 

Lied: Lobet die Eine von Carola Moosbach

 

Wenn Sie einen depressiven Menschen begleiten, dann fällt Ihnen auf, dass alles, was hell und schön ist, von ihm als dunkel und traurig erlebt wird.

Ganz besonders stark stellt das ein Film dar der den so genannten Baby Blues, die Wochenbettdepression „Das Fremde in mir“….

Von einer jungen Mutter erwarten wir gerade beim ersten Kind, dass sie glücklich ist. Aber aus verschiedenen Gründen kann kann sie von einer akuten Depression überfallen werden. So in diesem Film sehr feinfühlig nachgezeichnet.

 

Ich will Ihnen jetzt zwei Texte der Bibel vortragen, die auch diesen Gegensatz darstellen:

Eine Psalm betende Person ist voll Staunens darüber, wie wunderbar sie im Bauch ihrer Mutter sich entwickelt hat, von Gott gewoben, Gott im Bild einer Weberin, wie es heißt.

 

Und ganz anders Hiob, der ja alles verloren hatte, alle Kinder, alles Besitztum und der eine große Klage anhebt und seine Lebenszeit im Bauch seiner Mutter negativ sieht: er wäre lieber abgegangen.

 

Doch zunächst das große Lob und Dank und Staunen in Psalm 139,13-16. Wenn Sie mögen, können Sie sich in die Person der Betenden einfühlen und es von sich selbst sagen:

 

„Ja, du hast meine Nieren gebildet,

hast mich gewebt im Leib meiner Mutter.

Ich danke dir, dass ich auf erstaunliche Weise wunderbar geschaffen bin.

Wunder sind deine Taten, meine Lebenskraft (näfäsch) weiß darum.

Meine Knochen waren nicht vor dir verborgen,

als ich im Verborgenen gemacht wurde,

als ich gebildet (buntgewirkt) wurde in den Tiefen der Erde.

Noch unfertig (Golem) erblickten mich deine Augen.

In dein Buch waren sie alle geschrieben,

die Tage, die schon vorgebildet waren,

als noch nicht einer von ihnen war.“

 

Und nun Hiob. Wir würden heute sagen, wäre ich doch überhaupt nicht geboren! Der hebräische Mensch hat aber seine vorgeburtliche Lebenszeit, ja bis zu Zeugung, immer mit im Blick:

 

 

Hiob 3,7-16 in Auswahl

„Es verschwinde der Tag, an dem ich geboren wurde,

und die Nacht, die sprach: Ein Mann wurde empfangen!

Dieser Tag werde Finsternis …

Denn sie (die Nacht) hat die Türen des Leibs meiner Mutter nicht verschlossen

und die Mühsal nicht verborgen vor meinen Augen.

Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg,

warum kam ich nicht aus dem Mutterleib und verschied?

Weshalb sind mir Knie entgegengekommen

und was sollten mir Brüste, dass ich saugte?

Oder wie eine verscharrte Fehlgeburt nefäl existierte ich nicht,

wie Kinder, die das Licht gar nicht sahen.“

(nefäl = stürzen, zur Erde fallen)

Hiob 10,19 „Wie wenn ich nicht gewesen wäre, wäre ich dann –

vom Mutterleib bätän zum Grab käbär gebracht …“

 

Es ist schwer, diese gegenteilige Sicht auszuhalten, wenn wir eine Depressive begleiten. Eine gute Hilfe kann das Gleichnis vom Bleistift im Wasserglas sein …

Während solch einer Nähe zu einer depressiven Freundin habe ich diesen Segen geschrieben, mit dem ich heute schließen möchte:

 

 

Segen für eine an Depression Erkrankte

Du wohnst inmitten von Blüten und Blumen

Du spürst nur Kälte und Dunkelheit

 

Dich umhüllen Bänder der Freundschaft

Du siehst nur Risse und Spalten

 

Dein Haus hat Türen zur Zukunft

Du rüttelst nicht -

Du sagst: sie sind verschlossen

 

Wie eine leise Melodie

soll Gottes Segen schwingen

durch deine gebrochene Welt!

 

Wie ein leichter Lufthauch

soll Gottes Segen verbinden

Deine zerrissene Welt!

 

Wie ein lautloses Türschloss

soll Gottes Segen öffnen

Dein Herz für Sonne und Blumen!

 

Dein Glaube an Dich selbst

wird in Dir sich regen!

Du fängst wieder ein den Schleier

des Mutes, der verloren ging! Amen

 

 

Lied: Tief im Schoß meiner Mutter